Crowdfunding für Journalisten

Dass der Journalismus in der Krise steckt, ist nichts Neues. Dennoch hat das Zeitungssterben ein unerwartetes Hoch mit der jüngsten Schließung der Financial Times Deutschland  (FTD) und der ausgehöhlten Westfälischen Rundschau erfahren. Das publizistische Ende dieser Blätter, bedeutet nicht nur weniger Presseviefalt und das drohende Ende der Geschichte von Druckerschwärze auf Papier, sondern natürlich auch bedrohte Existenzen, verlorene Jobs für Redakteure und Freie.

Im Schwarm finanziert

Was also tun, wenn der Drang journalistisch zu arbeiten groß ist, aber kein Förderer in den Medien selbst mehr zu finden ist? Crowdfunding (“Schwarmfianzierung”) bietet einen Ausweg. Diese Finanzierungsart, ist eine Möglichkeit, unabhängig und transparent Geld über Spenden zu sammeln, um Recherchen zu starten und ganze Projekte eigenständig zu realisieren. An sich ist auch das nichts Neues. Bereits ein Blogger der ersten Stunde, der freie Journalist und Kriegsreporter Christopher Allbritton, der während des Irakkriegs von 2003 seine Berichterstattung über Spenden der eigenen Leserschaft finanzierte, nutzte diese Methode. Aber aktuell entfaltet Crowdfunding im Netz eine neue und dabei virale Kraft.

Neue Plattform für Journalisten

Screenshot Kautreporter.de

Screenshot Kautreporter.de

Die Macher von Krautreporter.de haben den Puls der Zeit erkannt und eine Crowdfunding Plattform speziell für journalistische Projekte aufgebaut. Vorraussetzung für einen Projektstart über Krautreporter, ist die Einhaltung des Pressecodex und eine klare Projektstruktur mit konkreten Zielen. Eines der spannendsten Projekte für mich ist “LobbyPlag” von den OpenDataCity-Machern. Das LobbyPlag-Wiki soll ähnlich wie das “Guttenplag” oder “Schavanplag” funktioniern.  Ziel ist die “Entwicklung eines Open-Source-Transparenzwerkzeugs zum Lobbyismus in der EU”, so die Macher auf Krautreporter.de.

Praktisch bei dieser Herangehensweise ist, dass die Rezipienten auch schon exististieren und diese so eine Art der Teilhabe am journalistischen Werk bekommen, jedoch frei von inhaltlicher Beeinflussung. Eine tolle Sache wie ich finde.

Lokalisten

Screenshot Prenzlauer Berg Nachrichten

Screenshot Prenzlauer Berg Nachrichten

Wie Eingangs angerissen, ist die Medienvielfalt im Ruhrgebiet geschwächt. Die Blogger von Ruhrbarone gründeten jüngst den “Ruhrbarone Freundeskreis”. Interessierte können anonym oder mit Namensnennung Spenden und Mitglied des Freundeskreises werden und unabhängigen Journalismus fördern. Allerdings gehören Werbebanner auf den Seiten dazu. Damit stehen die Lokalisten aus Dortmund nicht alleine da – auch die Prenzlauer Berg Nachrichten aus Berlin finanzieren sich über beide Kanäle – Freundeskreis und Werbung.

Eine spannende Entwicklung. Die großen Verlage lösen lokale Strukturen geradezu auf und zentralisieren ihre Produktion, und unabhängige, zum Teil  bürgerfinanzierte Medien, entstehen.

Was ist mit Bremen?

Gibt es so eine Art Plattform in Bremen? Ich finde, die Stadt könnte mehr Medienvielfalt gebrauchen. Welche Bremer Blogs oder Magazine sind aus eurer Sicht empfehlenswert?

 

[Anm. de Autorin: Wer mehr über das "Zeitungssterben" erfahren möchte, kann hier nachlesen: Artikel zur FTD in der Zeit Online und Stefan Niggemeier zur Westfälischen Rundschau]

3 Comments

  1. Thomas · 12. Mai 2015 Reply

    Mittlerweile greifen immer mehr auf Crowdfunding zurück und in den unterschiedlichsten Bereichen und tatsächlich kann dadurch einiges realisiert werden. In Zukunft wird man davon sicherlich noch einiges mehr hören.

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