Die Renaissance der Kassette

Die Renaissance der Kassette

Neulich in Berlin sah ich in einer Ausstellung im Künstlerhaus Bethanien diese Kassette aus Bronze von Alexander Dorn. Der Datenträger auf einem Sockel mit samtenen Bezug scheint wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Ich musste direkt an meine Hip Hop Zeit denken. Damals als Teenie war ich bei Jams immer hinter den neusten Tapes her. Kassetten wurden überspielt, getauscht und bis zum Bänderriss durchgehört. Einfachste Mechanik, die ihre ganz eigenen Sounds mitbrachte: Das Knacken beim automatischen Umdrehen, das Quitschen oder rhythmische Rattern beim Zurück- und Vorspulen, das Klacken beim Betätigen der Stopptaste und ganz zu schweigen vom Lallen im Walkman bei fast leerer Batterie. Nostalgie kommt auf.

Bei allen technischen Neuerungen unserer Zeit, wie etwa Responsive Design für alle Endgeräte, Spaces in der Cloud und MP3 Player oder Smart Phones mit min. zehnfach so viel Speicherkapazität als mein erster Laptop vorweisen konnte, ist doch eine Retrowelle im Netz zu beobachten. Passend zur Renaissance der Kassette habe ich bei tympanus einen HTML5 Kasettenrecorder gefunden. Die vermissten und noch so bekannten Sounds inklusive.

Back to the Roots

"ton und blume eins" breaklab - wasteland // terrorrythmus - ѦИ✕Ї€✝¥

“ton und blume eins” breaklab – wasteland // terrorrythmus – ѦИ✕Ї€✝¥

Die Kassette selbst hat eine Tonwertigkeit und eine Haptik, die ich persönlich immer schon mochte. Warum diesen Attributen also den Rücken kehren bzw. warum ein so unschlagbares Original digital nachbauen? Die Musiker vom Bremer Label Betonblume haben ihr aktuelles Release “ton und blume eins” auf diesen altbekannten Datenträger gespielt. Das hat Charme, wie ich finde und hebt sich von der Hipster-Nostalgiewelle entschieden ab, Altbekanntes digital nachzubauen.

 

 Was ist eigentlich Betonblume?

Hinter Betomblume verbirgt sich ein kleines aber feines Label. Vor allem Bremer Musiker veröffentlichen hier ihre neuesten Stücke auf CDRs. Zu hören sind Genre-übergreifende Sounds, mit dem Computer gemacht – gerne experimentell. Nicht nur die Musik ist selbst produziert, auch die Cover sind eigens designed, gedruckt und die Hüllen händisch bestückt. Die Datenträger werden auch Wetterfest gemacht. Aber wofür? Um sie guerilla-artig im öffentlichen Raum zu verteilen. Ein zufälliges Geschenk auf der Straße. Von Betonblume an unbekannte Finder in Bremen, Berlin und Wien.

Seit Februar 2013 produziert das Label auch auf der guten alten Kassette. Die Kassette wird nich im urbanen Raum wie die CDRs verteilt. Aber ihr könnt sie für einen kleinen Betrag online bestellen oder im Laden Glasbox im Bremer Viertel kaufen. Einen musikalischen Vorgeschmack gibt es hier.

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