Musik unter dem Elefanten

Musik unter dem Elefanten

Vergangenen Samstag war ich auf einem Konzert an einem ungewöhnlichen Ort: Dem Backstein-Elefanten hinterm Bremer Bahnhof. Der Elefant ist ein Relikt aus den 1930er Jahren und wurde in den 1980ern vom einstigen Kolonial- zum Antikolonial-Denkmal umgeweiht. Über “Mundzumundpropaganda” erfuhr ich letzte Woche, dass es einen Raum unterhalb des Elefanten gibt und eben dort ein Konzert stattfinden soll. Angekündigt wurde vom Veranstalter Pinkels Daheim: Industrial, Drone und Ambient unter dem Titel “The Elefant”. Drei Künstler, darunter der Bremer Ambient-Musiker “der 2te Freund” und zwei Acts aus Danzig und Warschau “Bisclaveret” und “Ab Intra”, beschallten den kleinen Raum vor ca. 30 Leuten.

Krypta im Elefanten

Krypta im Elefanten

Sakrale Stimmung

Der Raum unterhalb des Elefanten ist wie eine Krypta aufgebaut und vielleicht 30 qm groß. Im hinteren Bereich ist ein, anders kann man es nicht nennen, Altar aus Stein platziert, der schon ein Sechstel des Raums einnimmt. In den Wänden sind tiefe Einbuchtungen unter denen jeweils Stein-Sockel aus der Wand ragen. Auf diesen Sockeln und dem Altar wurden Teelichter platziert.

Drei Acts – Drei Sounds

Mit “Der 2te Freund” startete der Abend. Ambient Sound-Teppiche, die schlicht und nicht überladen den Raum erfüllten. Der Musiker stand seitlich an dem Altar, was ich als sehr positiv empfand, so wurde diesem wuchtigen Stein etwas an Bedeutung und “Raum” genommen. Parallel zur Musik wurden Visuals auf einem Monitor gezeigt, die allerdings nicht Live auf die Musik reagierten, sondern in einem Loop ausgespielt wurden. Leider waren diese Visuals meiner Ansicht nach nicht wirklich gelungen. Ein immer wieder eingeblendetes Puppengesicht und stierende rote Augen, die auf  Orbit-Ansichten folgten, waren etwas klischeehaft und wurden den Sounds nicht gerecht. So war ich nicht die einizige, die die Augen schloß, um in der Musik abzutauchen und dieser Ablenkung zu entfliehen. Waren die Augen einmal zu, rückte dieser schräge Ort in den Hintergrund und die Erinnerung an das Puppengesicht verblasste. Der Körper begann mitzuschwingen und der Geist tauchte ab.

"Ab Intra"

“Ab Intra”

Zweiter Act war “Ab Intra”. Ambient-Sounds, die sich langsam zu Drone-Teppichen steigerten. Die Dramaturgie in der Steigerung der tiefen Töne mit ausgleichenden aber nicht kreischenden Höhen war durchaus gelungen. Der Musiker stand direkt hinter dem Altar, was ich etwas zu tragend empfand. Zudem endete das Set in einer sakralen Stimmung, die auch von den erneut laufenden Visuals (ein weißes symmetrisches Kreuz, dass sich aufbaut und in sich verfällt) unterstützt wurde.

 

Zum Abschluss trat “Bisclaveret” an den Altar. “Ab Intra” agierte erneut an den Laptops und Synthies – mit einer weißen Maske und in Kombination mit einem sehr performance-freudigen MC in weiß. Die Sounds gingen schon eher in Richtung Drone/Gothic, was zugegebenermaßen mit der Performance harmonierte. Für meinen Geschmack mündete der Abend in einer zu gewollten sakralen und düsteren Stimmung. Die Sounds, die der MC performte, wären in einer nicht ganz so extrovertierten, sich windenden Haltung, ansprechender gewesen.

Fazit

Ein schräger Ort, der aber durchaus seinen Reiz hat. Die Konzentration auf die Sounds rückte durch die etwas zu inszenierten Momente etwas in den Hintergrund. Die Visuals waren für mich überflüssig und lenkten ab. Nicht ganz so einfach war die Kälte, nach 2 1/2 Stunden schlotterten die Knie. Aber gelohnt hat es sich trotzdem! Ich bin gespannt auf die nächsten Veranstaltung und finde es super, dass dieser Ort bespielt wird.

3 Comments

  1. Renate · 5. März 2013 Reply

    Das ist wirklich ein interessanter Ort. Den würde ich auch gern einmal besuchen.
    Besonders aus der ambivalenten Geschichte heraus.

  2. admin · 5. März 2013 Reply

    In der Tat ambivalent! Das macht es sicherlich auch nicht einfacher, diesen Ort musikalisch zu bespielen. Wir dürfen gespannt sein, was “Pinkels Daheim” als nächstes veranstalten wird. Übrigens: der Elefant wird von einem Verein “verwaltet” http://www.der-elefant-bremen.de

  3. nordfischbaby · 2. April 2013 Reply

    Oh ja – das klingt cool! Wär ich auch nicht drauf gekommen, dass da ein Raum ist… Bin gespannt, was sich da noch tut :)

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