Labels in Bremen #2 – LAIKA RECORDS

Labels in Bremen #2 – LAIKA RECORDS

Meine Freude war groß als ich das Bremer Jazz und Weltmusik Label  LAIKA RECORDS entdeckte. Das Label gibt es nicht erst seit gestern: Der Musiker Ulli Bögershausen gründete LAIKA RECORDS bereits im Jahr 1989. Der Wahlbremer Peter Cronemeyer, in den 90ern bereits Teilhaber, hat das Label im Jahr 1996 wie er sagt “freundlich übernommen”. Der Anspruch seit jeher: “Musik für Ohren mit Verstand”. Produktionen mit geringem Haltbarkeitsdatum, schnell produziert aus der Retorte – auf LAIKA RECORDS undenkbar! Das Label veröffentlicht Musik die länger bestand hat, zeitlos ist.

Sag “Ja” zur Nische

Portrait von Peter Cronemeyer © J.Behrens

Portrait von Peter Cronemeyer © J.Behrens

Mehr als 80 internationale KünstlerInnen aus Jazz, Klassik und Weltmusik finden sich im LAIKA RECORDS Katalog. Und der Katalog hat es in sich! Keltische Sounds, jüdische Folklore und Klezmer, Hard-Bob, Modern Jazz und Klassik, traditionelle afrikanische Musik… die Liste ist lang und dabei keinesfalls beliebig. Peter Cronemeyer veröffentlich Musik abseits des Mainstreams und hat sich bewusst für eine Nische entschieden. Ich glaube ihm sofort, wenn er sagt, finanzieller Erfolg bestimme keinesfalls die Ausrichung des Labels. Dennoch verliert der studierte Ökonom den Erfolg nicht aus den Augen – der anstehende 25. Geburtstag des Labels spricht für sich. Im Gespräch mit dem Labelchef merke ich, genau hier hebt sich ein Independent Label wie LAIKA RECORDS von den großen Major Labels ab: rigide Verträge und Zwänge für die Musiker gibt es nicht. Musik wird nicht für den Markt produziert, sondern aus Überzeugung. Alles geschieht auf Augenhöhe mit den Musikern und auf beiderseitigem Vertrauen.

Im Gespräch mit Peter Cronemeyer

Ich traf den symphatischen Labelmacher zum Interview in seinem Büro nahe der Weserpromenade “An der Schlachte”. Wir sprachen über den Namen “Laika”, das Einmalige an der Arbeit mit Jazzmusikern und den Luxus auf Bauch-Entscheidungen zu hören. Seine wunderbar sonorige Stimme möchte ich euch nicht vorenthalten, zu hören im Interview-Mitschnitt:


© J.Behrens

Der Inhalt steht im Vordergrund

Peter Cronemeyer kommunizert offen und persönlich. So auch auf der gut strukturierten LAIKA RECORDS Website. Hier kann in Ruhe in den umfangreichen Künstler-Katalogen mit interessanten Detailinformationen zu den Musikern und ihren Kompositionen gestöbert werden. Bestellt wird bei LAIKA RECORDS übrigens über den direkten Kontakt zum Labelchef per Telefon oder Mail.

Ein Tribute an Jutta Hipp – Vorreiterin des “Cool Jazz”

Ein aktuelles Release möchte ich hervorheben, denn ich finde es zeigt, wie besonders ein Nischenlabel ist. LAIKA RECORDS veröffentlichte in diesem Jahr eine Hommage des Ilona Haberamp Quartets an die außergewöhnliche Musikerin und “Europe’s first Lady of Jazz” Jutta Hipp. Das Besondere an dem Release: Neben den Hipp Interpretationen des Quartets finden sich Rezitationen ihrer Gedichte und Ausschnitte aus einem Interview, das Ilona Haberkamp (gemeinsam mit Iris Kramer) 1986 in New York mit der Künstlerin führte.

Jutta Hipp, 1925 in Leipzig geboren, veröffentlichte als erste weiße Europäerin überhaupt auf dem legendären New Yorker Jazzlabel Blue Note. Ein wanhsinniger Erfolg – kein männlicher Musiker aus Europa hatte das vor ihr geschafft! Jutta Hipp war in den 1950er Jahren als Jazzpianistin eine Vorreiterin – nicht nur hinsichtlich der Präsenz von Frauen im Genre, sondern auch durch ihre einzigartige Spielweise Frankfurter Prägung, dem “Cool Jazz”. 1954 entdeckte der Jazzmusiker Leonard Feather die charismatische Pianistin und führte sie in die US-amerikanische Szene ein. Jutta Hipp bekam einen Vertrag bei Blue Note Records, veröffentlichte direkt drei Alben, spielte auf Festivals und in den beliebten New Yorker Jazz Clubs. Doch sie hielt dem Konkurrenzkampf in Amerika nicht stand und zog sich 1960 komplett aus der Szene zurück. Seither arbeitete sie als Näherin in Brooklyn und kam auch nicht wieder nach Deutschland zurück.

Ich bin begeistert von der Produktion und dieses spannende Stück Jazzgeschichte dank LAIKA RECORDS entdeckt zu haben!

Ausblick: Labels in Bremen #3

Ambient, Drone und Industrial – ich freue mich auf Drone Records!

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