Labels in Bremen #3 – Drone Records

Labels in Bremen #3 – Drone Records

Drone Records ist ein internationales Independent Label mit umfangreichem Mailorder (Versandhandel) für experimentelle und atmosphärische Musik. Eine vermeintlich düstere musikalische Nische, die bei genauerem Hinhören viel Raum für Unerwartetes lässt. Für viele stecken Drones im Klischee von düsteren Metal, Doom oder Gothic Sounds fest oder werden mit keltischer wenn nicht sogar mittelalterliche Musik in Verbindung gebracht. Was nicht abwegig ist, denn der Dudelsack ist eines der Paradebeispiele für ein Drone-Instrument – es wird nur ein Ton produziert, der lediglich in seiner Klangfarbe variiert – aber dazu später mehr.

Vom Label-Projekt zum internationalen Mailorder-Service

Portrait von Stefan Knappe © Drone Records

Portrait von Stefan Knappe
© Drone Records

Seit 1993 führt der Gründer Stefan Knappe das Label als Ein-Mann-Betrieb. Er war damals bereits selbst Musiker und in der Kassetten-Tausch Szene aktiv (auch als Mailart / Kassettenkultur bekannt – hier ein interessanter Link zum Thema: sterneck.net). Aus diesem Netzwerk heraus entstand das Label. Er entschied sich auf Drone Records für seine zweite Leidenschaft, dem Vinyl und veröffentlicht bis heute ausschließlich Schallplatten. Seine Intention war es, so Stefan Knappe, aus dem Tausch-Netzwerk heraus eine interessante Plattform zu schaffen und den Gedanken der Kassetten-Szene aufzugreifen: unabhängig Tonträger experimenteller Musik mit künsterischem Anspruch zu produzieren. Auch DIY spielte eine Rolle: Das Titelbild zeigt bspw. die dritte Drone EP, die Stefan Knappe damals noch einzeln gestempelt und nummeriert hat.
In dem umfangreichen Online-Shop finden sich neben den Drone Records Erscheinungen, internationale Releases – auf Vinyl und auch auf CD. Der Mailorder-Service hat sich im Laufe der Jahre parallel zum Labelbetrieb entwickelt und zählt mittlerweile mehrere Tausend Abonnenten weltweit. Auch die eigene Musik bewegt sich in dröhnenden Sphären, aktuell ist Stefan Knappe in dem Duo Troum (altdeutsch für Traum) aktiv.

Screenshot dronerecords.de

Screenshot dronerecords.de

Was ist eigentlich ein “Drone”?

Die Beschreibung von “Drone” bei Indiepedia lautet: “Als Drone oder Bordun (arch.: Burden) bezeichnet man in der Musik den gleichbleibenden Grundton eines Instrumentes als Begleitung zu einem Melodiespiel. Dabei kann das Drone sowohl integraler Bestandteil eines Instrumentes sein, also ein Instrument so gebaut sein, dass, egal welche Melodie man spielt, ein gleichbleibender Grundton vorhanden ist (z.b. bei der Sackpeife, der Sitar oder Gitarrenvarianten mit Resonanzsaiten), oder es kann als kompositorisches Element erzeugt werden (z.b. im 5. Satz von Ludwig van Beethoven 6. Symphonie).”

Drones können also in ganz unterschiedlichen Musikrichtungen zum Einsatz kommen. Charakteristisch für Drone ist, dass Rhythmen und Tonvariablen wie in klassischen Songstrukturen fehlen und einzig die Tonfarbe variiert. Ein praktisches Beispiel für den langgezogenen Ton gibt es hier:

Nachgefragt: Im Gespräch mit Stefan Knappe

Ich traf den Drone Records Labelchef zum Interview und sprach mit ihm über die Bedeutung von Drones, dem Abtauchen in diese musikalische Sphäre und seine Leidenschaft für die Nische. Im Gespräch erlebe ich Stefan Knappe als unheimlich symphatischen Typen, der für seine Sache brennt. Schon beeindruckend, wie umfassend seine Auseinandersetzung mit der Musik ist. Hört selbst:


© J.Behrens

Die DRONE MIND // MIND DRONE LP Series

Ich kenne sogenannte Drones, wenn auch nicht in reiner Form, eher als Begleitelemente. Langsame Ambient-Klänge, psychedelisch ausklingende Gitarren und rituell-transzendentale anmutende Wiederholungen in den Klangwelten – gerade das subjektive Empfinden wird durch den Einsatz von Drones angeregt. Ich lege die LP der Drone Records Serie DRONE MIND // MIND DRONES #2 auf und lasse mich auf die Musik ein.

Mir fällt auf, irgendwie ist die Musik minimal und dennoch vielschichtig. Sie entzieht sich dem Rationalen. Gedanken driften ab. Die Harmonie des sich langsam aufbauenden Sounds hat eine meditative Wirkung, ist emotional und ja, vielleicht kommt es tatsächlich zu einer Korrespondenz mit dem Unbewussten. Je nach Tiefe des Drones wirkt die Musik mal beruhigend oder unberuhigend. Generell muss ich sagen, allzu düster darf es für mich nicht werden, mich interessieren allzu schwere Sounds eher weniger. Aber die DRONE MIND // MIND DRONES Serie macht mich auf jeden Fall neugierig, mehr aus den Tiefen der Drones kennenzulernen.

Drone Records hat für mich eine fast unbekannte Nische geöffnet, der ich zukünftig definitiv offener begegnen werde.

Ausblick: Labels in Bremen #4

Punk, Hardcore, Indie – Ich freue mich auf Sabotage Records!

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